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Von P. Max Svoboda OP
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Als die barocke Dominikanerkirche Maria Rotunda am 1.10.1634 im Rohbau geweiht wurde, da wirkten die Dominikaner - auch Predigerbrüder genannt - bereits seit gut 400 Jahren durch Predigt, Seelsorge, Liturgie, Studium und Lehrtätigkeit in Wien. Diese Aufgaben nehmen die Dominikaner bis heute wahr. In der Blütezeit des Klosters wurde eine der größten mittelalterlichen Kirchen Wiens gebaut. In der Zeit der ersten Türkenbelagerung wurde diese Kirche zum Großteil abgerissen. Die Steine wurden für die Befestigung der Stadtmauer verwendet. Erst 1630 - 35 wurde durch Kaiser Ferdinand H. der Grundstein für den Neubau gelegt.
Der Bau ist die früheste Barockkirche Wiens. An der Durchführung waren hauptsächlich italienische Architekten und Künstler beteiligt, die den neuen Stil des Barock von Italien nach Norden brachten: Jacopo Spacio, Cipriano Biasino, Antonio Canevale und Carpoforo Tencala. Die Kirche ist der Hl. Maria vom Rosenkranz geweiht. Dieses Thema dominiert die Ausgestaltung der Kirche. Rosenkranz und Marienverehrung waren die in der Barockzeit verbreitetsten Frömmigkeitsformen. Die Kirche war daher für ihre Bauzeit architektonisch wie auch spirituell höchst "modern". In das marianische Thema eingeordnet sind die Heiligen des Dominikanerordens, ein zweiter Schwerpunkt der Gestaltung.
Schon die Inschrift auf der Westfassade weist auf die Thematik des Gotteshauses hin: "Dem großen Gott, der großen Mutter Maria vom Rosenkranze, den heiligen Dominikus, Katharina von Siena, allen Heiligen, wurde dieser Tempel erbaut unter Papst Urban VIII., dem die Christenheit regierenden Kaiser Ferdinand II. und König Ferdinand III."
Über dem Gesims stehen außen Figuren des hl. Albertus Magnus (links) und des hl. Thomas von Aquin (rechts), in den Nischen des Obergeschoßes die Heiligen Hyazinth von Polen und Vinzenz Ferrer. Im Untergeschoß stehen die Figuren der Heiligen Ludwig Bertrand und Rosa von Lima. Die Marienstatue über dem Portal wird von den Heiligen Katharina von Siena und Agnes von Montepulciano flankiert. Alle Heiligen gehören dem Dominikanerorden an.
Der Innenraum überrascht durch seine Weite und Höhe. Die Stuckausstattung stammt von nicht näher bekannten Stukkateuren italienischer Herkunft, an den Fresken arbeiteten Matthias Rauchmiller und Carpoforo Tencala.
Beginnen wir unseren Rundgang im Hochaltarraum. Der jetzige Hochaltar ist ein Werk von Karl Rösner (1839/40). Das Altarbild von Leopold Kupelwieser zeigt die Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch Papst Gregor XIII.; dem knieenden hl. Dominikus wird - stell vertretend für den Orden - das Rosenkranzgebet anvertraut. Die Marienstatue ist eine Nachbildung derjenigen von 1671. Der Tabernakel wurde nach einem Entwurf von Josef Ferstel angefertigt. Den Hochaltar rahmen Fresken, die die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes zeigen. Darunter befinden sich eine Darstellung der Seeschlacht von Lepanto und - It. Inschrift - eine des Albigenserkreuzzugs, welcher aber im Bild deutliche Bezüge zu den Türkenkriegen aufweist. In beiden Ereignissen sahen die Christen die helfende Fürsprache Mariens.
Den Kuppelraum beherrscht eine Flachkuppel, die anstelle einer geplanten Tambourkuppel eingezogen wurde. Das Fresko von Franz Geyling zeigt Maria mit dem Jesuskind in der Lichtfülle der Dreifaltigkeit. Früher dürfte das Pfingstmotiv diese Stelle geziert haben. Denn in den Medaillons unter der Kuppel sind vier Geheimnisse des glorreichen Rosenkranzes abgebildet, die Ausgießung des hl. Geistes fehlt. Die Bilder an den Vierungspfeilern stellen drei Dominikanerpäpste (Innozenz v., Benedikt XI., Pius V) und einen Erzbischof (hl. Antonin von Florenz) dar. Darunter die Statuen der vier lateinischen Kirchenväter: Hieronymus, Gregor der Große, Ambrosius und Augustinus. Die Statue des hl. Dominikus (links) ist das Werk eines unbekannten Künstlers um 1700, rechts eine Totenklage aus Marmor von Johann Bendl.
Von den Querschiffkapellen ist die nördliche dem Namen Jesu geweiht. Geburt und Beschneidung sind auf den Altarbildern dargestellt, die Passion (die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes) umrahmen den Altar als Fresken, die Figur des Auferstandenen krönt den Altar. Das Bild des Jesusknaben stammt von einem unbekannten Maler des 19. Jahrhunderts.
Die südliche Kapelle ist dem hl. Dominikus geweiht. Die Altarbilder, Hauptwerk von Tobias Pock, zeigen die Anbetung der hl. Dominikus und Franziskus sowie die Überreichung des Rosenkranzes.
Als Umrahmung dienen Fresken aus dem Leben des Gründers des Dominikanerordens.
Die Grabplatte vor dem Altar weist auf die Gruft der Kaiserin Claudia Felicitas, Gemahlin Leopolds 1., hin.
Der Altar am südwestlichen Vierungspfeiler ist dem hl. Johannes Nepomuk geweiht. Der Figurenschmuck stammt von Lorenzo Matielli. Vis-a-vis die Kanzel, die die Verbreitung des Rosenkranzes über den ganzen Erdball andeutet.
Die Deckenfresken im Langhaus zeigen: Vermählung Mariens, Braut des Heiligen Geistes, Mariä Opferung. Der allegorischen Verherrlichung Mariens dienen auch alle übrigen Darstellungen an der Langhausdecke.
Die erste der nördlichen Seitenkapellen ist der hl. Katharina von Siena geweiht, Sie lebte im14. Jahrhundert, war Dominikanerin und Mystikerin. Auch kirchenpolitisch war ihr Einfluss groß. Papst Paul VI. hat sie zur Kirchenlehrerin ernannt. Die Bilder werden Francois Roettiers zugeschrieben.
Es schließt die Kapelle des hl. Thomas von Aquin an. Thomas ist einer der größten Theologen der römisch-katholischen Kirche, seine Summa Theologiae ein Standardwerk. Sein Denken prägt die Theologie bis heute. Die Bilder hat der Flame Frans Leuyx gemalt.
Die hl. Rosa von Lima, Dominikanerin und Patronin Lateinamerikas. der die letzte Seitenkapelle geweiht ist, wurde 1671 heiliggesprochen. Das Altarbild wurde im 18. Jahrhundert durch die Marienkrönung ersetzt, die kleine Statue auf dem Altar zeigt den hl. Martin Porres: Dominikaner, ebenfalls aus Lima/ Peru; seine Sorge galt vor allem den Armen und Kranken.
Bemerkenswert ist auch das Segmentbild unter der Orgelempore. Es zeigt die Verherrlichung des Rosenkranzes und dessen Vermittlung durch Dominikus und die Dominikaner. Ordensmitglieder halten die Medaillons der 15 Rosenkranzgeheimnisse.
In der unteren Bildhälfte sind links der geistliche, rechts der weltliche Stand dargestellt, Letzterer durch Mitglieder des Kaiserhauses vertreten. An der Südseite schließt die Kapelle der hl. Mutter Anna an. Vitenbilder rahmen den Altar ein, der die ganze hl. Familie zeigt.
Außergewöhnlich gestaltet ist die Kapelle des hl. Vinzenz Ferrer, eines in der Barockzeit sehr verehrten heiligen Dominikanerpredigers. Die Kapelle ist von Francois Roettiers gestiftet und entworfen worden. Sie weist schon deutliche Anzeichen des Rokoko auf. Das Gitter und das Rankenwerk des Altares dürften von Dominikanern aus dem Wiener Kloster angefertigt worden sein.
Die letzte Kapelle ist der hl. Katharina von Alexandrien geweiht. Als Patronin der Philosophen hat sie Platz in der Dominikanerkirche gefunden, da der Orden in besonderer Weise dem Studium der Theologie und Philosophie verpflichtet ist. Das Altarbild stammt von Tobias Pock, die Vitenbilder hat Frans Leuyx geschaffen.
Wenden wir nach diesem Rundgang den Blick zur Orgelempore. Ursprünglich war das Orgelgehäuse zweiteilig mit einem Brüstungspositiv. Als 1896 die alte Orgel durch eine der Firma Rieger (Jägerndorf/Schlesien) ersetzt wurde, musste wegen der Größe das Verbindungsstück unter dem Westfenster gebaut werden. Die Orgel, 1990 renoviert, ist dem Typ "Romantische Orgel" zuzuordnen und die letzte ihrer Art in Wien.
Kirchenpatrozinium: Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz - 7. Oktober