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Der Hl. Dominikus wollte zeitlebens „mit Gott und von Gott sprechen“. Die Dominkanische Spiritualität und den Auftrag des Hl. Predigerordens fasste der Hl. Thomas v. Aquin später mit den Worten „Contemplari et contemplata aliis tradere" zusammen. Es ist die Berufung, das im Gebet und Studium geschenkt Bekommene in der Wortverkündigung, dem Hl. Predigtdienst, zum Heil der Menschen weiterzugeben.
Die Entstehung des Predigerordens
Von P. Paul Dominikus Hellmeier OP,
Der Predigerorden (seit dem Spätmittelalter nach seinem Gründer auch „Dominikanerorden“ genannt) entstand in einer Zeit vielfältiger Auf- und Umbrüche. Am Beginn des dreizehnten Jahrhunderts befand sich Europa in einem immer noch andauernden Prozess des Bevölkerungswachstums. Es kam auch zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, von dem allerdings nicht alle Schichten profitieren konnten, was oft zu sozialen Spannungen führte. Auch auf religiösem Gebiet geriet einiges in Bewegung, seit sich verschiedene häretische und schismatische Gruppen gebildet hatten, die ihre Irrlehren offen verkündeten. Besonders in Südfrankreich, aber auch in Oberitalien fanden sie eine große Anhängerschaft.
Anlässlich zweier Reisen kam der heilige Dominikus, der Chorherr an der Kathedrale von Osma war, in Südfrankreich mit der häretischen Bewegung der Katharer in Berührung und beschloss, sie durch die Verkündigung der Wahrheit zu bekämpfen (1203-04). Nach dem Tod seines Bischofs Diego, von dem die Initiative ursprünglich ausgegangen war, führte Dominikus das Predigtwerk gegen die Irrlehrer alleine fort. Vor allem durch das glaubwürdige Beispiel seines Lebens konnte Dominikus zahlreiche Menschen zum katholischen Glauben zurückführen.
Fulko, der Bischof von Toulouse begrüßte das Predigtwerk des Dominikus und gab ihm im Jahre 1215 den Status einer festen Institution in seiner Diözese. Im selben Jahr brachen sie gemeinsam nach Rom auf, um dort von Papst Innozenz die Bestätigung des bisher Erreichten zu erhalten. Wahrscheinlich war es Innozenz III., der Dominikus darauf hinwies, dass ein solches Predigtwerk für die gesamte Kirche notwendig sei. Nach Innozenz’ Tod unterstützte dessen Nachfolger Honorius III. großzügig die Verwirklichung dieser Vision. In der Folge verbreitete sich der Predigerorden in atemberaubender Geschwindigkeit über ganz Europa. Dominikus sorgte sich sehr um eine ausgezeichnete Ausbildung seiner Brüder und schickte sie zum Studium an die großen Universitäten Paris und Bologna. Auch der frühe und überraschende Tod des heiligen Dominikus im Jahre 1221 konnte die Ausdehnung des Ordens nicht mehr behindern. Zu sehr war der Predigerorden bereits in den großen Städten und Universitäten verwurzelt. Außerdem hatte Dominikus gemeinsam mit seinen ersten Brüdern für eine klare innere Struktur und eine kluge Gesetzgebung gesorgt. So konnte sein Nachfolger in der Ordensleitung, der selige Jordan von Sachsen die Erfolgsgeschichte des Predigerordens glücklich fortsetzen.
Von P. Paul erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2007 eine Biographie über den Hl. Vater Dominikus mit dem Titel „Dominikus begegnen“ (St. Ulrich Verlag).